Bewertung von IT-Angeboten: Von Schätzungen zu Benchmarks
In vielen Unternehmen wirkt die Bewertung von IT-Angeboten strukturiert. Es gibt Ausschreibungen, Angebote, Schätzungen und Abstimmungsrunden. Und dennoch treten immer wieder dieselben Probleme auf: Kostenüberschreitungen, Verzögerungen, schwankende Qualität, schwierige Abstimmungen mit Dienstleistern.
Die unbequeme Wahrheit ist, dass die meisten Unternehmen die Angebote ihrer IT-Lieferanten nicht auf einheitliche und vergleichbare Weise bewerten. In der Regel gilt Folgendes:
- jede Anforderung ist individuell
- jeder Anbieter schätzt unterschiedlich
- jedes Angebot wird anders bewertet
Das Ergebnis: wir vergleichen nicht Angebote, sondern Narrative.
Ohne ein einheitliches Bewertungssystem lassen sich die Schätzungen nicht validieren, die Preisgestaltung ist nicht transparent, die Qualitätsanforderungen bleiben implizit, und auch die Risiken werden unterschätzt.

Was ein strukturiertes Bewertungssystem verändert
Ein gut strukturiertes Rahmenwerk führt ein Element ein, das in den meisten Organisationen fehlt: ein gemeinsames, objektives Referenzsystem.
Dies ermöglicht
- eine konsistente Bewertung des Entwicklungsbedarfs
- eine benchmark-basierte Validierung von Lieferantenangeboten
- die Abstimmung von Kosten und Geschäftswert – da die Bewertung auf dem erwarteten Geschäftswert, der technischen Komplexität, dem Implementierungsrisiko und den Qualitätsanforderungen basiert
Strukturierte Bewertung von IT-Angeboten: Wie sieht ein solches System in der Praxis aus?
Für einen unserer Kunden haben wir ein strukturiertes Bewertungssystem entwickelt. Dies ist kein einfaches Tool, sondern ein Schritt für Schritt aufgebautes System, das Transparenz und Kontrolle in die Bewertung von Angeboten bringt.
1. Klassifizierung der Anforderungen – Grundlage für die Vergleichbarkeit
Der erste Schritt ist die Einführung eines Bedarfs-Klassifizierungsmodells.
Anstatt jeden Entwicklungsbedarf als Einzelfall zu betrachten, ordnen wir ihn Standardkategorien zu, die wir anhand der folgenden Kriterien festlegen:
- typischer Umfang und Merkmale
- geschätzter Ressourcenbedarf
- voraussichtliche Lieferzeit
- empfohlenes Testniveau
Dies schafft die Grundlage für Transparenz.
2. Benchmark-basierte Kostenschätzungen: Festlegung objektiver Referenzwerte
Nachdem wir den Entwicklungsbedarf in Kategorien eingeteilt haben, besteht der nächste Schritt darin, anhand historischer Daten, Branchenreferenzen und früherer Angebote Benchmarks festzulegen.
Das Ziel ist einfach: festzustellen, was in jeder Entwicklungskategorie als „realistischer Aufwand“ gilt.
Dies ermöglicht die Validierung von Angeboten, die Identifizierung von Ausreißern und die frühzeitige Erkennung von Über- oder Unterschätzungen.
3. Bewertung des Angebots: Kosten im Einklang mit dem angebotenen Mehrwert und den Risiken
Anhand der Einstufung und der Referenzwerte können die Angebote der Lieferanten nun einheitlich bewertet werden.
Das strukturierte Bewertungsmodell berücksichtigt
- den angebotenen/erwarteten geschäftlichen Mehrwert
- die technische Komplexität der Aufgabe
- das Lieferrisiko
- den Ressourcenbedarf und die Kosten auf Seiten des Lieferanten
- die Qualitätsanforderungen
Dadurch können wir statt eines einfachen Preisvergleichs eine wertorientierte Entscheidung treffen.
4. Qualitätsmanagement: Qualität wird messbar
Qualität wird oft vorausgesetzt, aber selten genau definiert. Dank des Frameworks erhalten wir jedoch klare Qualitätsrichtlinien, darunter
- die Anforderungen an die Codequalität
- die obligatorischen Code-Review-Verfahren
- die Anforderungen an die automatisierten Tests
- die strukturierte Validierung von Releases
Dies stellt sicher, dass Qualität nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern ein kontrolliertes und messbares Endergebnis ist.
5. Unterstützung der Zusammenarbeit mit Lieferanten: Ziele sind Transparenz und ein abgestimmtes Verfahren
Damit das Rahmenwerk funktionsfähig ist, benötigen Lieferanten und Kunden gemeinsame Instrumente und Standards. Dazu gehören in der Regel:
- standardisierte Anforderungsvorlagen
- an das Klassifizierungsmodell angepasste Angebotsvorlagen
- Referenzkataloge
- Architektur- und Entwicklungsrichtlinien
- Testanforderungen und Qualitätskennzahlen
- KI-basierte Anforderungsanalyse und Unterstützung bei der Kostenkalkulation
Dieses Toolset schafft eine gemeinsame Verständigungsbasis zwischen Kunde und Dienstleister.
6. Performance-Messung – datengestützte Bewertung der Leistung
Schließlich ermöglicht unser Rahmenwerk die kontinuierliche Überwachung der Leistung anhand eines festgelegten Satzes von Liefer- und Qualitätskennzahlen. Zu den typischen Kennzahlen gehören:
- die Genauigkeit der Schätzungen
- die Abweichung vom geplanten Zeitaufwand
- Vorhersehbarkeit der Leistung
- Fehlerquote der veröffentlichten Software
- Erfolgsquote der Änderungen
- Grad der Testabdeckung
Dies ermöglicht es den Auftraggebern, von subjektivem Feedback zu einem datengestützten Lieferantenmanagement überzugehen.
Einführung des Systems – wie sollte man beginnen?
Die Einführung des Lieferantenbewertungssystems erfolgt nicht in einem einzigen Schritt, sondern als iterativer Prozess, der aus vier Hauptphasen besteht:
- Bestandsaufnahme: Analyse aktueller Angebote und Muster – damit schaffen wir die Grundlagen für eine strukturierte Bewertung.
- Entwicklung des Rahmens: Definition von Modellen, Regeln und Instrumenten – wir passen den Rahmen an die spezifischen Gegebenheiten der Organisation an.
- Pilotprojekt: Testen in realen Projekten – unser Ziel ist hier das Lernen, nicht die Perfektion.
- Erweiterung und kontinuierliche Feinabstimmung des Systems – hier entsteht der wahre Wert: Konsistenz in großem Maßstab.
Ergebnisse auf strategischer Ebene
Ein strukturiertes Bewertungssystem ist nicht nur ein Instrument zur Unterstützung des Beschaffungsprozesses, sondern ein Regulierungsmechanismus für das gesamte Lieferanten-Ökosystem, der folgende Vorteile bietet:
- größere Kostentransparenz
- berechenbarere Leistungserbringung
- bessere (und leichter messbare) Qualität
- effizientere Zusammenarbeit mit Lieferanten
Wenn ein solcher Ansatz auch für Ihr Unternehmen interessant sein könnte, lassen Sie uns darüber sprechen!

